Kerspe-Talsperre: Kein Nitratproblem trotz intensiver Landwirtschaft

Sauberes Wasser dank Wasserkooperation

Gemeinsame Pressemitteilung zum Pressetermin am 23.03.2017

Landwirtschaft im Wasserschutzgebiet? Geht, und das sogar sehr gut. Um bei der konventionellen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen im Einzugsgebiet der Kerspe-Talsperre Einträge in das Wasser nach Möglichkeit zu vermeiden, sind die Landwirte dort über eine Wasserschutzkooperation eng mit dem Wupperverband verbunden. Die Standards der Kooperation gehen weit über die normalen gesetzlichen Regelungen hinaus und zeigen Erfolg: Die Nitratwerte in der Talsperre, die die ganze Stadt Wuppertal mit Trinkwasser versorgt, liegen mit acht Milligramm pro Liter weit unter dem für Trinkwasser geltenden Grenzwert von 50 Milligramm. Darauf sind die Landwirte stolz und der Wupperverband als Talsperrenbetreiber ist zufrieden. Über die Einzelheiten der Wasserschutzkooperation informierte der Landwirtschaftliche Kreisverband Märkischer Kreis jetzt in einem Pressegespräch gemeinsam mit den dort wirtschaftenden Landwirten, dem Wupperverband und der Landwirtschaftskammer.

Friedrike Mürkens: „An allen Messpunkten vorbildliche Werte“

Friedrike Mürkens, Wupperverband, Ressort Talsperren 2: „Der Wupperverband hat die Kerspe-Talsperre vor einem Jahr von den Wuppertaler Stadtwerken übernommen. Wir kontrollieren die Zuläufe zur Talsperre regelmäßig – derzeit haben wir an allen Messpunkten vorbildliche Werte. Die Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern beugt Konflikten oder Missverständnissen vor. Zudem koordinieren wir die Förderung der erhöhten Bewirtschaftungsauflagen für die Bauern im Schutzgebiet.“ Gleichzeitig weist sie auf ein weit größeres Problem hin: Da die Kerspe in der Stadt Kierspe entspringe, lege sie einen weiten Weg durch besiedeltes Gebiet zurück, bevor sie die freie Landschaft, und damit landwirtschaftliche Flächen erreiche. Mürkens: „Die Pflanzenschutzmittel, die wir in den Wasserproben finden, stammen alle aus den Wohngebieten, das ist ärgerlich, weil Privatpersonen im Gegensatz zu Landwirten keinen Sachkundenachweis im Umgang mit Pflanzenschutzmittel brauchen, und teilweise wahllos ihre gepflasterten Flächen mit Unkrautvertilgungsmitteln übergießen. Wir wissen das so genau, weil wir alle Proben auch auf den Gehalt von Coffein untersuchen. Und da Kühe keinen Kaffee trinken, stammen diese Werte eindeutig aus besiedelten Gebieten.“

Wasserberater Bußmann: „Landwirtschaftskammer berät die Kooperation“

Marius Bußmann, Wasserberater bei der Landwirtschaftskammer, betreut die Kooperation und berät die Landwirte fachlich. Bussmann: Mit der „Kooperation Wasserschutz“ erreichen wir Verbesserungen, die von den Landwirten getragen werden. Die Landwirtschaftskammer berät dabei vorrangig zu Fördermöglichkeiten der Maßnahmen durch das Land NRW.“ Für circa 80.000 Euro im Jahr können so Fördermaßnahmen für die Landwirte durch den Wupperverband bewilligt werden.

Neues Schleppschlauchfaß zur bodennahen Gülleausbringung

Um die Gülle als Pflanzendünger punktgenau auf die Flächen auszubringen, haben sich mit finanzieller Förderung des Talsperrenbetreibers bereits mehrere Landwirte der Wasserschutzkooperation „Schleppschlauchfässer“ angeschafft – diese Schleppschläuche verteilen die Gülle verlustarm direkt auf dem Boden zwischen den Pflanzen.

Landwirt Ralf Crummenerl: „Wir dulden kein Fehlverhalten“

Ralf Crummenerl ist Landwirt in Rönsahl und Vorsitzender des Beirats der Kooperation, der 31 Landwirte angehören. Crummernerl: „Wir bilden uns ständig weiter, um die Anforderungen zu erfüllen. Ein Bauernhof kann nicht umziehen, also müssen wir mit dem Wasserschutzgebiet zurecht kommen. Wir stimmen im Beirat die Fördermaßnahmen ab und tauschen uns aus, denn: Fehlverhalten von Kooperationsmitgliedern wird nicht toleriert.“

Ernst Berbecker: Düngerverwertung auf den Flächen wird besser

Landwirt Ernste Berbecker aus Halver freut sich über moderne technische Entwicklungen: „Wir haben die Düngerverwertung auf den Flächen ständig verbessern können, der Einsatz von zusätzlichem mineralischem Dünger konnte immer weiter reduziert werden. Das ist ein entscheidender Faktor, um weiterhin hier Viehhaltung betreiben zu können.“ So sehr er auch von der neuen Ausbringungstechnik mit dem im Einsatz befindlichen Schleppschuh-Verteiler überzeugt ist, mahnt er dennoch, alte Techniken nicht ganz zu verdammen: „Besonders an stark hängigen Wiesen brauchen wir kleineres Gerät, um die Gülle zu verteilen.“

Ludwig Krämer: „Vorsorgend darauf hinwirken, Gewässerbelastung gering zu halten“

Ludwig Krämer vom Landwirtschaftlichen Kreisverband: „Wir haben Kooperationen im Kreisgebiet überall dort, wo es um Trinkwasserschutz geht und sehen die Erfolge dieser Zusammenschlüsse im vorbeugenden Gewässerschutz. Anders wäre Landwirtschaft im Einzugsgebiet von Trinkwassertalsperren wohl nur mit deutlichen Einschränkungen möglich. Wichtig ist mir aber auch der Hinweis, dass wir im gesamten Kreisgebiet – auch außerhalb der Wasserschutzzonen - keine überhöhten Nitratwerte im Wasser finden. Es geht also darum, vorsorgend darauf hinzuwirken, dass die Gewässerbelastung möglichst gering gehalten wird.“

Quelle: Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband e.V., Kreisverband Märkischer Kreis
www.wlv.de

 

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